Chronik – ein Stadtteil und eine Schule wachsen zusammen

Die schnell anwachsende Bevölkerung, besonders durch die Neubauten am Schönberg, führte bereits 1952 zur Planung und zum Grundstückserwerb für den Neubau einer Schule im Kohlheck an der ehemaligen Fasanenstraße/Schönbergstraße. Im Herbst 1957 wurde mit dem Bau begonnen; das Richtfest fand am 4. September 1958 statt, und bereits am 20. Oktober 1959 zogen die ersten 312 Kinder mit ihren Lehrern in das Schulgebäude ein. Bis zur Errichtung der Kohlheckschule mussten alle Kohlhecker Kinder die Landgrabenschule, die heutige Helen-Keller-Schule, besuchen. An ihrem letzten Schultag in der Landgrabenschule wurden sie von Rektor Haag feierlich aus ihrer bisherigen Schule verabschiedet.


Herbst 1959: Die Kohlheckschule ist startklar für den ersten Schultag am 20. Oktober 1959.



"Frohe Eroberung einer neuen Schule
[...] Dann marschierten acht Klassen mit sieben Lehrern durch Dotzheims Straßen ihren neuen Unterrichtsräumen entgegen. Auf dem [...] großen Platz vor der Schule wurden sie unter anderem von ihrem neuen Schulleiter Friedrich Berwein [...] begrüßt."
Wiesbadener Kurier, 21. Oktober 1959


Die Schule wurde nach dem Walddistrikt „Kohlheck“ benannt. Die Gesamt-deutsche Partei (GDP) forderte am 3. September 1964 in der Stadtverordnetenversammlung den Magistrat und die zuständigen Deputationen auf, in Zukunft neuen Straßen und Plätzen und städtischen Institutionen mehr als bisher Bezeichnungen „mitteldeutscher“ und „ostdeutscher“ Landschaften, Flüsse und Persönlichkeiten zu geben. Anlässlich der Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung erinner te die GDP-Fraktion an ihren Vorschlag, den Kurhausplatz „Karlsbader Platz“ oder die Kohlheckschule „Rainer-Maria-Rilke-Schule“ zu benennen und den Straßen in Kohlheck ostdeutsche Gebirgsnamen zu geben.

Damit sollte den Wünschen der etwa 60.000 in Wiesbaden lebenden Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten Rechnung getragen werden – schließlich handele es sich bei dieser Gruppe, so der GDP-Abgeordnete Wollner, um ein Fünftel der Wiesbadener Bevölkerung.

Trotz ihrer drängenden Argumente konnte sich die GDP gegenüber den anderen Parteien, ge nauso wie der Ortsbeirat, der sich bereits im März 1964 gegenüber der Deputation für Straßenbenennungen mit seinem Vorschlag, Straßen im Baugebiet Nerobergblick u.a. Erzgebirgs-, Riesengebirgs- und Böhmerwaldstraße zu benennen, nicht durchsetzen. So behielt die Kohlheckschule ihre vom Lehrerkollegium gewählte Bezeichnung und einige Straßenzüge eines Kohlhecker Wohnviertels erhielten zumindest Gebirgsnamen.

Früh bemühte sich das Kollegium der Kohlheckschule darum, den Kindern und der Schule eine Identität zu verschaffen. So standen immer spezifische Kohlhecker Themen auf dem Lehrplan und wurden zu einem zentralen Bestandteil von „Projektwochen“.

Schon nach kurzer Zeit wuchs die Schülerzahl auf über 400 an, so dass die 14 Klassen in dem vorhandenen Schulraum nicht ausreichend Platz finden konnten.

Die ursprünglich als Handarbeits- und Werkräume konzipierten Zimmer wurden fortan neben den acht Klassenräumen als provisorische Unterrichtsräume genutzt. Später wurden aus Platznot zwei Pavillons aufgestellt, und der Turn- und Kochunterricht musste wieder in der Landgrabenschule stattfinden. Bereits 1964 begann man mit dem Bau der Turnhalle, eines zweiten Gebäudes und des Sportplatzes im unteren Teil des Schulhofes. Der zweite Bauabschnitt wurde 1965 beendet; die Räume konnten am 6. Februar 1965 bezogen werden. Zu dieser Zeit wurde das 9. Schuljahr eingeführt und eine Vorschulklasse für Gesamt-Dotzheim im Neubau der Kohlheckschule sowie eine Zweigstelle der Stadtbücherei eingerichtet, die 1975 vom „Bücherbus“ abgelöst wurde.


1964: Blick von der neuen Katholischen Kirche Mariä Heimsuchung auf die Kohlheckschule

Im Jahre 1966 richtet man in der Landgrabenschule eine Förderstufe ein. Damit verlor die Kohlheckschule ihre fünften und sechsten Klassen. In den folgenden beiden Jahren wurden auch die Klassen 7 bis 9 aufgelöst. Damit war die Kohlheckschule vom Schuljahr 1969/70 an nur noch Grundschule. Gleichwohl witzelte man: Die Kohlheckschule sei auch eine „höhere Schule“, schließlich liege sie 250 Meter über dem Meeresspiegel.

Der neu errichtete Schultrakt wurde in der Folgezeit von anderen Schulen und Institutionen genutzt: Haupt- und Realschulklassen der Landgrabenschule wurden bis zum Bezug der Ludwig-Erhard-Schule im Schelmengraben hier unterrichtet; Schüler des Oberstufengymnasiums West nutzten im gleichen Jahr diese Räumlichkeiten; Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen für Umsiedler und Russlanddeutsche fanden dort statt. Ferner war die Kohlheckschule von 1984 an Unterrichtsort der Freien Waldorfschule, die nach vielen vergeblichen Bemühungen, einen Erweiterungsbau an die Kohlheckschule anbauen zu dürfen, 1991 aus Platzgründen nach Biebrich umzog. Diese freigewordenen Räumlichkeiten wurden 1992 bis 1998 von der International School Wiesbaden genutzt. Im Jahr 2001 bezog das „Schultheaterzentrum Wiesbaden“ unter der Schirmherrschaft des Kulturamts einige Räume der Kohlheckschule. Das Schultheaterzentrum unterstützt und fördert die Theaterarbeit der Wiesbadener Schulen durch Bereitstellung von Probebühnen, Ausleihe von Technik, Kostümen, Accessoires etc. sowie workshops und Seminarangeboten

Die Kohlheckschule ist auch Gastgeber für Sport- und Kulturvereine aus dem Stadtteill. So stellt sie u.a. seit vielen Jahren der Kohlhecker Bürgervereinigung Gebäude und Außenanlagen zur Verfügung, damit im September das traditionelle Köhlerfest stattfinden kann – ein Stadtteilfest, das sich mittlerweile weit über Kohlhecks Grenzen hinaus etabliert hat.